Home
Erklärung Zielzahl
Galerie Party 2016
Wechselschichtdienst
Ermittlungsdienst
Brandaktuell
Performa
Schadenersatz AGG
Buddeleimerpolitik
Neues Denken
Unterbezahlt!
PEP oder was?
Bullenhure!
Zechpreller
Schuldenbremse
Gefährdungsanalyse
Feindliche Übernahme
50 Jahre GdP
Schwertransporte
Eine Alltagspolizei?
Polizeipräsidenten
Kriminalstatistik
Pathogen?
Mitarbeiterbefragung
Einsatzdienst
3000 Euro Pension
Zulagen
Beurteilungen
Haushaltskrise
Bürgerservice
Personalentwicklung
Beitritt/Leistungen
Die PVAG
Der Vorstand
Tarifbereich
TVL 2017
Galerien
Kontakt
Impressum

Wenn Arbeit krank macht!

 

 

Die DAK hat ihren jährlichen Gesundheitsbericht veröffentlicht. Das Gesundheitswesen und die Öffentliche Verwaltung sind mit einem Anteil von 4,4% Ausfallzeiten Spitzenreiter bei den Krankenständen.

 

Bei der Polizei würden wir uns darüber freuen. Dort verzeichnen wir Ausfallquoten um die neun Prozent. In den besonders belasteten Bereichen, wie im Einsatzdienst registrieren wir einen Krankenstand, der zum Teil 15% erreicht.

 

 

 

 

 

Das liegt nicht am „sicheren“ Arbeitsplatz. Die Ausfallzeiten sind vielmehr das Ergebnis einer miserablen Personal-, Beschäftigungs- und Tarifpolitik, die ebenso durch mangelnde Wertschätzung wie durch steigende Arbeitsverdichtung und Personalabbau bei gleichzeitiger Abkoppelung von der Gehaltsentwicklung in vergleichbaren Branchen geprägt wird. Die Beamtenrechtsreformen haben ihren Teil dazu beigetragen, indem das ehemals homogene Rechtsgefüge in eine kostenintensive und verwaltungsaufwändige Kleinstaaterei zerschlagen wurde.

 

Die Ausfallzeiten sind deshalb so alarmierend, weil sie die den Beginn einer existenziellen Krise des Öffentlichen Dienstes anzeigen.

 

In der Süddeutschen Zeitung konstatierte der Journalist Detlef Esslinger zu den Tarifauseinandersetzungen im Öffentlichen Dienst, eigentlich müsse es doch ein glückliches Land sein, in dem den Bürgern zu Staatsdienern nicht Korruption, Ungerechtigkeit und Arroganz einfällt, sondern nur ein paar Stereotypen, die pauschal und daher harmlos seien. (SZ vom 18.02.2013).

 

Der Öffentliche Dienst, das sind Krankenpfleger, Polizisten, Feuerwehrleute, Richter, Lehrer, Erzieherinnen, Sozialarbeiter, Finanzbeamte, Sachbearbeiter in etlichen Behörden. Der Öffentliche Dienst ist es, der unser hochkomplexes Gemeinwesen sehr viel effizienter am Laufen hält, als das in irgendeinem anderen Staat der Fall ist.

 

Und man fragt sich, ob es besonders schlau ist, die Menschen mies zu behandeln, die unsere Kinder betreuen und erziehen, von denen unser Leben bei einem schweren Unfall abhängt, die uns betreuen, wenn wir schwerkrank sind oder die für die Sicherheit und Ordnung in unserem Gemeinwesen sorgen.

 

Darüber denken die Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes aber sehr viel weniger nach, als darüber, dass sie wieder gewählt werden wollen. Die Mehrheit der Wähler schätzt zwar den Polizisten, den Feuerwehrmann, den Lehrer, die Erzieherin und den Krankenpfleger. Allgemein, wird der Öffentliche Dienst aber erstaunlicherweise für aufgebläht, schwerfällig und für zu teuer gehalten. Und deshalb finden es die Öffentlichen Arbeitgeber auch unheimlich cool, anlässlich der berechtigten Tarifforderungen erst einmal auf ihre Beschäftigten einzuschlagen. Allen voran die Bremer Finanzsenatorin, die nach dem Ende ihrer politischen Karriere ganz sicher lukrative Angebote als Personalchefin in Billigsupermarktketten erhalten wird.

 

Kein Unternehmen, das langfristig mit ähnlich hochwertigen Dienstleistungen und Produkten am Markt bestehen will, wie der Staat, wird seine Beschäftigten derart mies behandeln, wie es die Öffentlichen Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen tun.

 

Aber sind Ihnen nicht die Hände gebunden? Sie lässt sich nicht wegdiskutieren: Die Krise der Öffentlichen Haushalte. Wie verantwortungslos von uns, in der Not auch noch Forderungen zu stellen, wo doch der Staat kein Geld hat.

 

Nicht nur, dass wir von den politisch Verantwortlichen mies behandelt werden, sie halten uns offensichtlich auch für völlig verblödet, wenn sie behaupten, sie hätten kein Geld. Wären sie aufrichtig - eine Eigenschaft, die in diesen Kreisen ausgesprochen verpönt ist, sonst würde sich ja keiner über Peer Steinbrück aufregen – wären sie also aufrichtig, würden sie sagen:

 

Wir haben kein Geld für EUCH!

 

WIR haben Geld für Spekulanten und Hoteliers, für Banken und Olivenstaaten, die von Clowns regiert werden, wir haben Geld für fragwürdige Konjunkturmaßnahmen, wir haben Geld für das bescheuerte Betreuungsgeld und für etliche irrsinnige Großprojekte, über die WIR Politiker erfolglos Aufsicht führen, um dafür die dicke Kohle zu kassieren, aber

 

WIR haben kein Geld für EUCH!

 

Und dabei wäre es doch gut investiert.

 

Eine intelligente und sozialverträgliche Personalpolitik im Öffentlichen Dienst würde sich bezahlt machen.

 

Zum einen aufgrund unzähliger volkswirtschaftlicher Effekte, die hier aufzuzählen den Rahmen sprengen würde, die aber inzwischen als unstrittig gelten. Gute Bildung oder die verlässliche Wahrnehmung staatlicher Kontrollaufgaben bei der Polizei oder den Finanzbehörden bedeuten selbstverständlich einen erheblichen volkswirtschaftlichen Mehrwert.

 

Zum anderen kann der Staat auch ganz unmittelbar sparen, was wir am Beispiel der Ortspolizeibehörde Bremerhaven belegen möchten.

 

Wie eingangs erwähnt ist die Ausfallquote bei der Polizei in Bremerhaven doppelt so hoch, wie die des Öffentlichen Dienstes lt. „Gesundheits“report der DAK. Sie liegt bei schlappen neun Prozent und bei bis zu 15% in den Schichtdienstbereichen.

 

Wir kennen die Ursachen ziemlich genau, denn dafür haben wir die Mitarbeiterbefragung nach dem Index-Gute-Arbeit des DGB gemacht.

 

Die Beschäftigten der Ortspolizeibehörde erkranken vor allem an zu hoher Arbeitsintensität, an mangelnden Aufstiegschancen und an der zu geringen Entlohnung.

 

Wir schlagen daher folgendes vor:

  • Die Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten wird auf 38,5 Stunden pro Woche mit entsprechendem Personalausgleich verkürzt

  • Alle Beschäftigten der Ortspolizeibehörde erhalten mit dem Dezembergehalt wieder eine Sonderzuwendung in Höhe von mindestens 70 Prozent des Bruttogehalts.

  • Im Rahmen eines Stufenkonzeptes wird bei der Polizei bis 2020 die amtsangemessene Besoldung eingeführt.

  • Für Dienst zu ungünstigen Zeiten wird ein Zuschlag von fünf Euro pro Stunde gezahlt.

Daraus werden im ersten Jahr jährliche Mehrkosten in Höhe von rd. zwei Millionen Euro und nach Ablauf von acht Jahren zusätzliche Kosten in Höhe von drei Millionen Euro resultieren.

 

Aber es wird gelingen die Ausfallzeiten durch Krankheit auf den Bundesdurchschnitt zu senken, was einer Einsparung von Personal- und Behandlungskosten von rd. zwei Millionen Euro entspricht. Überträgt man die Zahlen auf die gesamte Polizei im Land Bremen entsprächen die zusätzlichen Kosten einem Anteil von 0,2 % an den jährlichen Ausgaben des Landes Bremen.

 

Aber ja, nee, ist klar! Diese Berechnung löst jetzt heftiges Gelächter aus. Hahaha, als hätte Geld eine heilende Wirkung, werden die überwiegend ahnungslosen Lenker und Denker einwenden.

 

Und sie haben ja Recht. Geld allein macht nicht glücklich! Aber es beruhigt dafür bekanntlich ungemein.

 

Wir dürfen den oben erwähnten Artikel in der Süddeutschen Zeitung noch einmal zitieren: „Geld fehlt nicht nur dem Staat. Auch Lehrern und Polizisten!“, heißt es dort. Wie wahr!

 

Geld beruhigt und zu wenig Geld beunruhigt, und das ist es, was krank macht. Nebenjobs machen krank und Weihnachten das Konto zu überziehen, um seine Kinder ebenso mit Geschenken zu überhäufen, wie der Bankangestellte im Nachbarhaus oder der Fluggerätemechaniker von gegenüber, trägt auch nicht gerade dazu bei, den nervösen Magen zu beruhigen.

 

Und da soll jetzt bitte keiner um die Ecke kommen und etwas von ideellen Werten erzählen, auf die es schließlich ankommt. Will ernsthaft jemand abstreiten, dass wir in einer auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft leben? Bei uns in Deutschland hat ein hoher Lebensstandard einen tragenden Charakter. Wir leben in einem ständigen Konkurrenzkampf des Habens, der von der Politik ganz ausdrücklich gefördert wird.

 

Letztlich geht es außerdem darum, dass jeder Beruf auch einen Wert hat und aus diesem Wert resultiert ein Anspruch auf einen angemessenen Lebensstandard. Das sieht das soziale Umfeld genauso. Von einem Polizeikommissar erwartet man, dass er sich, wie sein Nachbar, der im Hafen arbeitet, ein schönes Haus leisten kann. Und zwei Neuwagen, nicht zu fett aufgetragen, ein Mittelklassemodell und einen Kleinwagen! Urlaubsreisen sollten möglich sein! Die neueste Unterhaltungselektronik, einen Nachhilfelehrer für den Sohn und Ballettunterricht für die Tochter, ein Schlagzeug, ein Pferd, und selbstverständlich schicke Kleidung. Faule Kompromisse, Billo-Handys und alte Gebrauchtwagen sind etwas für Loser.

 

Insofern ist der Begriff von der amtsangemessenen Alimentation natürlich ein schlechter Witz, der sich mit den Worten zusammenfassen lässt:

 

„Wie, Du kannst Dir das nicht leisten? Ich denke, Du bist Beamter?“

 

Irgendwie blöde, das Ganze, gerade jetzt, wo wir uns doch im Kampf um die klugen Köpfe befinden. Der Verband Deutscher Ingenieure hat es auf den Punkt gebracht: „Um Nachwuchskräfte zu gewinnen, müssen Unternehmen sich als interessante Arbeitgeber präsentieren.“

 

Wie wir aus etlichen Studien wissen, suchen junge Menschen beruflich eine interessante Tätigkeit, Entwicklungsmöglichkeiten, Work-Life-Balance und einen guten Lebensstandard. An der interessanten Tätigkeit wird es nicht gelegen haben, dass die Bewerberzahlen bei der Polizei in Bremen und Bremerhaven sind im letzten Jahr dramatisch eingebrochen sind.

 

Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt. Der Öffentliche Dienst macht seine Beschäftigten krank. Wenn diese Entwicklung nicht in einer massiven Krise münden soll, brauchen wir ein Umdenken, nicht nur bei den Öffentlichen Arbeitgebern, sondern auch bei den Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes. Das gilt vor allem auch für die GdP, bei der man als Mitglied zunehmend den Eindruck gewinnt, dass Bundespolitik eher als Gesellschafts- und Rechtspolitik denn als gewerkschaftliche Interessenvertretung verstanden wird. Offen gestanden spielen Kampfradler bei den Problemen an der Basis eine eher untergeordnete Rolle.

 

Warten wir also auf den nächsten Krankenreport und verbinden dies mit der Mahnung an unsere Mitglieder, ihrer Gesundheit einen höheren Stellenwert einzuräumen, als ihren dienstlichen Verpflichtungen.

 

Achtet auf Eure Gesundheit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GdP-Kreisgruppe Bremerhaven